Sonntagszeitung, 2. März 2008
Der Dollar braucht Hilfe
Publizist Philipp Löpfe über den Währungssturz in den USA
Jedes Jahr wird der Sicherheitsausschuss des US-Senats vom Director of National Intelligence, dem nationalen Risiko-Überwacher, über die bedeutendsten Gefahren informiert. Normalerweise gehören dazu Analysen der aktuellen Terrorlage, der Verbreitung von Atomwaffen und der Stand regionaler Konflikte. Dieses Jahr haben die Geheimdienstler der Traktandenliste etwas Ungewöhnliches hinzugefügt: den Dollar. In den letzten vier Jahren hat die US-Währung zu den sechs wichtigsten anderen Währungen rund 25 Prozent an Wert eingebüsst. Das ist nicht nur ein Wirtschafts-, das wird langsam auch zum Sicherheitsrisiko.
Der Dollar ist die globale Leitwährung, die tragende Säule im internationalen Finanzsystem. Die meisten Rohstoffe werden in dieser Währung abgerechnet. Nationalbanken halten Dollar als Sicherheitsdecke für ihre Landeswährung – allein China besitzt mittlerweile Dollarreserven in der Höhe von 1,7 Billionen – und kleine Länder binden ihre Währung an den Greenback, um ihrer Wirtschaft stabile Wechselkurse garantieren zu können. Wenn der Dollar ungebremst weiter an Wert verliert, wird es für die gesamte Weltwirtschaft ungemütlich. Der Schock, der durch einen Dollarsturz ausgelöst wird, hat beträchtliches Zerstörungspotenzial und könnte rund um den Globus für Chaos sorgen.
Was sind die Gründe für den schwachen Dollar? Der Welthandel hat in jüngster Vergangenheit nach dem Prinzip funktioniert: Die USA konsumieren, und die anderen exportieren. Diese Methode konnte nicht nachhaltig sein, sie führte zu einer massiven Verschuldung der USA. Die geplatzte Immobilienblase und die immer schlimmeren Folgen für das Finanzsystem haben nun die Grenzen dieses Prinzips aufgezeigt. Das Vertrauen in die USWirtschaft und damit auch in den Dollar ist angeknackst. Ben Bernanke, der Chef der US-Notenbank, ist deshalb in einer Zwickmühle. Er muss einerseits Vertrauen in den Dollar schaffen, dazu braucht er höhere Zinsen. Gleichzeitig muss er die amerikanische Konjunktur ankurbeln, dazu braucht er tiefere Zinsen.
Bernanke hat angedeutet, dass er sich für die zweite Lösung entscheiden wird. Von Europa braucht der Dollar deshalb nicht Schadenfreude, sondern Unterstützung. Dazu hat der neue Chef des Internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn, aufgerufen. Man sollte auf den Mann hören, immerhin ist er Sozialist und Franzose.
