Philipp Löpfe

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Sonntagszeitung, 13. Juli 2008

FC Buddha München

Publizist Philipp Löpfe über Fussball und Managementa

Die neue Lichtgestalt des deutschen Fussballs, Jürgen Klinsmann, fährt beim FC Bayern weiter, wo er als Nationaltrainer aufgehört hat. Er ist im Begriff, den Profifussball auf den neuesten Stand der Erkenntnisse zu bringen, und zwar in jeder Hinsicht.
Deshalb ist das Trainingsgelände in München für rund 30 Millionen Franken in ein «Wohlfühlbasislager» umgebaut worden. Dort werden die Stars acht Stunden pro Tag auf die Spiele vorbereitet. Sie müssen Kondition büffeln und werden in Taktik und Technik geschult. In Yogaund Mentaltrainings wird die Konzentration verbessert, in Sprachkursen und in per Video zugeschalteten Vorträgen das Allgemeinwissen erweitert. Im Trainingscamp gibt es Grillecken, Sonnendecks, Lounges, Billardtische, Tischtennis und goldfarbene Buddhas für den Energiefluss.

Fussball war einst ein Proletensport. Fussballstars, das waren die wenigen glücklichen Arbeiter, die nicht «in den Stollen» mussten, die mehr Geld verdienten, mehr Chancen bei den Frauen hatten, aber sonst waren sie wie du und ich. Sie assen Fastfood, tranken Bier; viele rauchten, auch wenn das die Vereinsoberen nicht gern sahen. Dafür herrschte Zucht und Ordnung. Im Konditionstraining mussten die Spieler bis zum Erbrechen die Stadiontreppen emporrennen, auch bei Schnee wurde mit kurzen Hosen trainiert. Anweisungen quittierte man mit «Ja, Trainer».

Eine moderne Fussballmannschaft ist mit dem Management eines internationalen Konzerns vergleichbar, nicht nur, was die Gehälter und Transfersummen der Spieler betrifft. Klinsmann hat erkannt, dass man auch die Kultur diesen veränderten Umständen anpassen muss. Da hat die alte Arbeiterromantik keinen Platz mehr. Alles und jedes wird gemessen, gebenchmarkt und laufend optimiert, nicht mit preussischer Härte, sondern mit moderner Psychologie. Weil die Clubs vom Geld der Sponsoren leben, wird auch der Auftritt mit professionellen Medientrainern perfektioniert; Journalisten und Fotografen werden an der kurzen Leine geführt.
Klinsmann hat jahrelang in Kalifornien gelebt und die Augen offen gehabt. Jetzt bringt er die coolste Unternehmenskultur des Sonnenstaates mit nach Deutschland, inklusive Spitzenkoch fürs Personal – wie bei Google. Wie soll sonst ein Podolski sein Potenzial abrufen, wenn er Currywurst und Fritten mampft statt Fisch und frisches Gemüse isst?