Philipp Löpfe

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Sonntagszeitung, 4. Mai 2008

Ist der Spuk vorbei?

Publizist Philipp Löpfe über die Bärenfalle

An den Finanzmärkten hat die Hektik spürbar nachgelassen. Die Kurse der Bankaktien erholen sich auf breiter Front, Öl wird wieder billiger und der US-Dollar dafür teurer. Ist der Spuk vorbei? Ist es wieder sicher geworden da draussen? Können auch die kleinen Investoren aus ihren Bunkern kriechen und erste Testkäufe wagen?
Tatsächlich gibt es dafür gute Gründe: Dank den Milliarden- Abschreibungen der Banken beginnt sich im Handel mit den berühmt-berüchtigten verbrieften Hypothekenpapieren wieder Leben zu regen. Die Talsohle scheint erreicht zu sein. Unter den Börsenanalysten macht sich Optimismus breit. Sie sprechen von einer Erholung der Papiere in der zweiten Jahreshälfte und sind überzeugt, dass jetzt das Schlimmste überstanden sei.

Weniger rosig sieht es in der realen Wirtschaft aus. In den USA ist der Konsum eingebrochen. Bald werden zwar die ersten Checks, welche die Regierung zur Ankurbelung der Wirtschaft verschickt, in den Haushalten eintreffen. Experten erhoffen sich davon einen Aufschwung, zumindest kurzfristig.
Doch selbst Notenbankchef Bernanke scheint von einer nachhaltigen Wirkung dieser Massnahmen nicht überzeugt zu sein. Er setzt weiter auf billiges Geld, hat die Zinsen nochmals gesenkt und gleichzeitig angedeutet, dass er im Notfall zu weiteren Senkungen bereit sei.
Die Kernzahlen der USWirtschaft, der Lok der Weltwirtschaft, sehen noch weiter schlecht aus: Das Wachstum des Bruttoinlandprodukts ist auf 0,6 Prozent geschrumpft, allein im März sind 80 000 Stellen abgebaut worden, und vor allem: Die Preise der Häuser fallen weiter.

Ein paar Monate nach dem Platzen der Technoblase 2001 kam es zu einer überraschenden Erholung an den Börsen. Der eigentliche Zusammenbruch der «dot.com»- Euphorie erfolgte erst Herbst 2002. Das Phänomen eines Zwischenhochs wird von Börsianern «Bärenfalle» oder weniger vornehm «suckers rally» (Idioten-Boom) genannt. Die Schnäppchenjagd an der Börse könnte in einer solchen Falle enden. Immerhin schätzt der IWF, dass die Kosten der Finanzkrise rund 1000 Milliarden Dollar betragen werden. Erst ein Bruchteil davon ist bisher vom System verdaut worden.
Wer glaubt, er sähe das Licht am Ende des Tunnels, sollte deshalb genau hinsehen. Es könnte sich auch um die Lampen der Lok eines heranbrausenden Zuges aus der Gegenrichtung handeln.