Sonntagszeitung, 02. November 2008
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Publizist Philipp Löpfe über ganz besondere Lockvögel
In den USA bricht die Nachfrage ein. Erstmals seit 1991 konsumieren die Amerikaner weniger. 3,1 Prozent sind es im Durchschnitt im dritten Quartal. Das tönt harmloser, als es ist. Essen, wohnen und sich anziehen muss man auch in schweren Zeiten. Der wahre Einbruch zeigt sich bei Dingen wie TV-Geräten und Autos. Dort beträgt der Rückgang 14 Prozent.
Die US-Konsumenten haben in den letzten Jahren die Weltwirtschaft in Schwung gehalten. Klar, dass es staatliche Hilfsprogramme braucht, um einen dramatischen Konjunktureinbruch zu verhindern. Nicht nur in den USA, sondern rund um den Globus werden jetzt Ankurbelungspakete geschnürt.
Die amerikanische Regierung hat der moribundenAutoindustrie bereits 25 Milliarden Dollar Subventionen für die Entwicklung umweltfreundlicher Autos versprochen. Weitere Milliarden werden folgen, denn kein USPräsident kann einen Kollaps von Detroit zulassen. Die drei Grossen beschäftigen mehrere Hunderttausend Arbeitnehmer. Rechnet man die Zulieferbetriebe dazu, sind es mehrere Millionen, und zusätzlich sind auch Hunderttausende von Rentnern auf die Pensionsbeiträge von GM, Ford und Chrysler angewiesen.
Die deutsche Autoindustrie ist in viel besserem Zustand als die amerikanische, sie ist aber für die Volkswirtschaft noch wichtiger. Deshalb will die Bundesregierung VW, Mercedes & Co. helfen: Ob Dreckschleuder oder nicht, Neuwagen sollen ein bis zwei Jahre lang von der Kfz-Steuer befreit werden. Deutsche werden demnach beim Kauf eines Smarts 135 Euro, beim Kauf eines VW Tuareg hingegen 1544 Euro sparen.
In der Hektik der letzten Tage ist ein Berichtder Internationalen Energieagentur (IEA) kaum beachtet worden. Es handelt sich um die erste unabhängige Studie über den Zustand der Ölreserven auf dem Planeten. Um es kurz zu sagen: schlecht.
Ohne gewaltige Anstrengungen wird die jährliche Erdölförderung gemäss IEA um 9,1 Prozent zurückgehen.
Wenn der Energiehunger der Entwicklungsländer wie China befriedigt werden soll, müssen jährlich 360 Milliarden Dollar investiert werden bis ins Jahr 2030.
Staatlich subventionierte Lockvogelpolitik mit Benzinschluckern ist unverantwortlich, nicht nur aus ökologischen Gründen. Wer jetzt zugreift und einen Benzinschlucker kauft, könnte es bald bereuen – auch wenn der Ölpreis auf rund 60 Dollar pro Fass gefallen ist.
