Philipp Löpfe

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Sonntagszeitung, 3. Februar 2008

Marcel und Jérôme

Publizist Philipp Löpfe über die Verlockungen des Startums

Wenn Manager ihre Millionengehälter rechtfertigen, verweisen sie gerne auf Saläre der Stars im Sport- oder Showbusiness. Warum soll ein Topshot in der Wirtschaft weniger verdienen als Roger Federer, Ronaldinho oder Madonna? Schliesslich macht doch auch der Topmanager den kleinen Unterschied aus, der in der globalisierten Wirtschaft zwischen Erfolg und Misserfolg entscheidet.
Diese Logik hat sich auf breiter Front durchgesetzt. Managerlöhne sind ein «Gewinner nehmen alles»- Markt geworden, in dem eine immer schmalere Elite immer mehr verdient. Parallel dazu hat sich auch die Kultur der Wirtschaftswelt verändert. Im Management herrscht heute ein Starkult, der den Vergleich mit dem Sport oder dem Showbusiness nicht mehr zu fürchten braucht.

Der legendäre Spruch eines Ganoven, der vom Richter gefragt wurde, weshalb er immer Banken ausraube und darauf antwortete, «weil dort das Geld liegt», hat ausgedient. Wer heute an die Kohle will, muss sich an die Regeln der «Gewinner nehmen alles»- Gesellschaft halten. Stars werden üppig belohnt, mit Geld, Status und Glamour.
Und es braucht gar nicht viel, um bei diesem Spiel mitzumachen. Das beweisen dümmliche Reality-TV-Sendungen täglich. Jérôme Kerviel spielte dieses Spiel jedoch in der wirklichen Wirklichkeit, an seinem Arbeitsplatz. Dabei hat der Börsenhändler der Société Générale die Bank um rund fünf Milliarden Euro ärmer gemacht. Das wird ihm einen Spitzenplatz in der Hitparade der Kriminalistik sichern. Doch Kerviel wollte gar kein Bankräuber sein, er wollte ein Star sein. Deshalb hat er kein Geld für sich abgezweigt, er hat es bei riskanten Börsengeschäften verloren.

Die Leistung der Manager wird in der Regel am Börsenkurs gemessen. Der Kurs der UBS-Aktie hat sich bis zum Ausbruch der Subprimekrise prächtig entwickelt, Marcel Ospel war ein Star. Stars haben die fatale Neigung, ihre eigenen Mythen zu glauben. Sie sind überzeugt, dass ihre Leistung den Erfolg ausmacht und blenden alles andere aus, auch die Risiken. Dann wird es richtig gefährlich. Die Starmanager an der Spitze der UBS haben nicht erkannt, in welches Minenfeld sie mit ihrem Engagement im US-Immobilienmarkt geraten sind. Das hat die Bank bisher Abschreibungen in der Höhe von 21 Milliarden Franken gekostet. So gesehen ist Société Générale mit ihrem Möchtegern- Börsenstar günstig gefahren.