Philipp Löpfe

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Sonntagszeitung, 21. September 2008

Noch wenig realistisch

Publizist Philipp Löpfe über Antriebskonzepte künftiger Autos

Wenn heute über die Zukunft des Autos diskutiert wird, erhält man den Eindruck, die wichtigsten Probleme seien gelöst. Selbst der Dinosaurier der Autoindustrie, General Motors, hat jetzt seinen Hybrid, den Chevy Volt, vorgestellt. Noch ein paarmal schlafen – dann werden wir alle in sauberen Elektroautos herumflitzen. Es wird keine Dreckschleudern mehr geben, auch keine Tankstellen und keinen Feinstaub mehr.
Leider ist dies nicht sehr realistisch. Sicher wird die Anzahl der mit Hybrid-Motoren ausgerüsteten Autos merklich ansteigen. Vielleicht wird auch ein mit Wasserstoff angetriebenes Fahrzeug nicht ewig ein Phantom bleiben. Doch die letzte Stunde des Verbrennungsmotors hat noch lange nicht geschlagen.

Autos sind keine Wegwerfartikel, sondern dauerhafte Konsumgüter. Anders als bei iPods und Laptops vergeht viel Zeit, bis sich eine neue Generation durchsetzt. Selbst wenn jetzt umwelt- und benzinpreisbewusste Konsumenten in Scharen zu Hybrid- Käufer würden, wird es mindestens ein Jahrzehnt dauern, bis sich ein spürbarer Effekt einstellt.
Ein solch massenhaftes Umsteigen wird es nicht geben. Hybriden sind teuer und noch nicht massentauglich. Sie werden bisher erst bei Modellen der gehobenen Mittelklasse angeboten. Und auch Hybriden fahren nicht gänzlich ohne Benzin oder Diesel – selbst die bald erhältlichen «Plug-Ins» nicht. Sie verbrauchen bloss weniger Treibstoff, weil sie kurze Strecken mit einem Elektromotor bewältigen und bei Fahrunterbrüchen automatisch abschalten.

Der Verbrennungsmotor wurde nicht zum Wohl dekadenter Scheichs und gieriger Ölmultis entwickelt. Erdöl weist eine sehr hohe Energiedichte auf. Der Verbrennungsmotor ist darum nach wie vor eine attraktive Kombination von tiefen Kosten, langer Lebensdauer und grosser Leistung. Höhere Ölpreise und Klimaerwärmung zwingen die Autoindustrie, ihre Produkte zu verbessern. Das bedeutet, dass der Verbrennungsmotor mit Software optimiert – aber nicht ersetzt wird.
Für Elektroautos gibt es noch keine Infrastruktur. Heute schon gerät das Stromnetz zu Stosszeiten an Leistungsgrenzen. Um Hunderttausende Elektroautos gleichzeitig aufzuladen, muss dieses Netz sehr viel intelligenter werden. Ein solches «Smart Grid» existiert bloss in der Theorie. In der Praxis haben wir Swiss Grid – und seine unverschämten Preiserhöhungen.