Philipp Löpfe

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Sonntagszeitung, 14. September 2008

Nützliche Verbote

Publizist Philipp Löpfe über Autos die Sinn machen

Die Offroader-Initiative ist nicht wirtschaftsfeindlich, sondern zu spät. Wenn sie sich durch den Hindernisparcours der schweizerischen Politik gequält haben wird, werden veränderte Verhältnisse herrschen. Explodierende Erdölpreise und verschärfte Umweltvorschriften haben zu einem radikalen Meinungsumschwung in der Autoindustrie geführt. Elektroautos werden im Wochenrhythmus angekündigt, die aktuellen Modelle haben öfter Hybridantrieb, und Verbrennungsmotoren werden immer sauberer. Der neuste Porsche 911 stösst 15 Prozent weniger CO2 aus.

Eine bevorstehende Hinrichtung konzentriert den Geist aufs vortrefflichste, pflegte der englische Gelehrte Samuel Johnson zu sagen. Wie wahr das ist, zeigt die Entwicklung des Elektroautos. In den Neunzigerjahren lancierte General Motors den EV1, das erste, serienmässig produzierte Elektrofahrzeug. Es war nicht mehr als ein Marketing- Gag. Das Auto war teuer, nur in sonnigen Staaten einsatzfähig, und wurde so zu einem Spielzeug für umweltbewusste Millionäre in Kalifornien. Geld verdiente GM mit den immer unförmiger werdenden SUV, die dank billigem Benzin reissenden Absatz fanden. Die Produktion des EV1 wurde nach ein paar Jahren eingestellt. Nun hat GM wieder ein Elektroauto vorgestellt, den Chevrolet Volt. 2010 soll er in Produktion gehen. Dieses Auto hat einen ganz anderen Stellenwert. Aus dem Marketing- Gag ist eine Schicksalsfrage geworden. Wenn der Chevrolet Volt kein Erfolg wird, dann ist das möglicherweise das Ende von GM.

Verbote sind immer unsympathisch. Wenn sie jedoch im Trend liegen, sind sie nicht schädlich, sondern nützlich. Das ist ein Kernsatz des Wettbewerbsgurus Michael Porter. Wie wahr das ist, zeigt ebenfalls die Entwicklung der Autoindustrie. Nehmen wir an, eine Art Offroader-Initiative hätte Detroit schon vor zehn Jahren gezwungen, umweltschonende Motoren herzustellen. Vieles wäre dann anders und wahrscheinlich besser gelaufen. Aus dem EV1 wäre vielleicht ein Erfolgsmodell wie der Prius geworden, unsinnige Monster wie der Hummer wären nie entwickelt worden. Das hätte alle glücklich gemacht: GM, Ford und Chrysler würden dank wettbewerbsfähigen Autos Gewinne machen. Ihre Kunden wären zufrieden, weil Umwelt und Portemonnaie geschont werden, und der Staat müsste sich nicht darum sorgen, wie er einen weiteren Kollaps verhindern kann.