Philipp Löpfe

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Sonntagszeitung, 20. Juli 2008

Risikokultur der Banken

Publizist Philipp Löpfe über das System UBS

Long-Term Capital Management (LTCM) war in den Neunzigerjahren der «Rolls- Royce» der Hedge Funds: Sein Chef John Meriwether war Kult an der Wallstreet. Im Spätsommer 1998 geriet LTCM in Schwierigkeiten und brachte beinahe das globale Finanzsystem aus dem Gleichgewicht. Die US-Notenbank musste eingreifen, und die Banken Milliarden abschreiben.
Erst nach dieser Rettungsaktion drangen Einzelheiten des Kreises um Meriwether an die Öffentlichkeit. So wurde bekannt, dass das Verhältnis von Eigenkapital zu Schulden beim LTCM Ende 1997 4,7 zu 125 Milliarden Dollar betrug, der Fund war, wie es in der Finanzsprache heisst, im Verhältnis von 1 zu 27 «geleveraged». Die Öffentlichkeit war schockiert.

Eines der Opfer des LTCMCrashes war Mathis Cabiallavetta, VR-Präsident der damals neu fusionierten UBS. Er hatte sich mit einer riskanten Put-Option am Fund beteiligt, die Bank musste über eine Milliarde Franken abschreiben, Cabiallavetta seinen Stuhl räumen.
Gut zwei Jahre später übernahm Marcel Ospel das Präsidium, der als smarter, aber vorsichtiger Banker galt. Risiken, wie sie der Draufgänger Cabiallavetta mit seinem LTCM-Put eingegangen war, sollten tunlichst vermieden werden. Nach dem 40-Milliarden-Abschreiber in der US-Subprime-Krise musste auch Ospel seinen Stuhl räumen. Langsam dringen Details aus dem Inneren des Systems UBS an die Öffentlichkeit, beispielsweise wie hoch die Bank geleveraged war. John Meriwether war ein Sonntagsschüler. Bei der konservativen Schweizer Bank UBS betrug das Verhältnis Eigenkapital zu Verpflichtung zeitweise mehr als 1 zu 50.

Diesmal ist die Schweizer Nationalbank schockiert und will die Vorschriften über die Eigenkapitalerfordernisse verschärfen. «Es braucht keine grossartige wissenschaftliche Analyse, um zu sehen, dass zwei Prozent nicht reichen», erklärt der Finanzprofessor Rudolf Volkart in der «Finanz und Wirtschaft». Trotzdem entwickelt sich um die Eigenkapitalerfordernisse ein veritabler Streit. CS und UBS drohen gar, ihre Hauptquartiere nach London auszulagern.
Volkart empfiehlt, cool zu bleiben: Was ist schlimmer, das gesamtwirtschaftliche Risiko oder eine Abwanderung der Grossbanken? Seine Antwort ist eindeutig: «Für die Schweiz sind zwei Grossbanken dieses Kalibers einfach zu gross, wenn sie nicht strenger reguliert werden.»