Philipp Löpfe

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Sonntagszeitung, 1. Juni 2008

Strom macht Fahrt

Publizist Philipp Löpfe über die Zukunft der Elektroautos

Beim Thema Elektroauto pflegen nicht mehr ganz junge Autojournalisten ein wissendes Lächeln aufzusetzen.
Man muss ihnen verzeihen, sie haben alles schon erlebt: Von der angeblich revolutionären Batterie, die das Umstellen auf elektrischen Antrieb erst möglich macht, hörten sie von der ABB, als diese noch BBC hiess. In den Neunzigern gewannen die Studenten der Bieler Fachhochschule mit ihrem Solarmobil Preise in Serie – serienmässig hergestellt wurden die Dinger nie. Der einst als Elektroauto geplante Kleinstwagen Smart wurde ein gewöhnlicher Benziner. Später liess sich US-Präsident Bill Clinton mit einem E-Prototyp des Aargauer Tüftlers Horlacher fotografieren, ein Massenerfolg wurde daraus so wenig wie aus dem EV1 von General Motors. Für alte Hasen des Autojournalismus ist darum klar: Mit dem Elektroauto verhält es sich wie mit Brasilien. Ihm gehört die Zukunft – und das wird immer so bleiben.

Oder doch nicht? Wer derzeit in den USA einen Toyota Prius kaufen will, muss zwei Monate warten. Das Kultauto der Ökoszene ist definitiv im Mainstream angekommen. Bei einem Ölpreis von 130 Dollar pro Fass sorgt der Hybridmotor für ein gutes Gewissen – und beginnt sich zu rechnen. Bereits wird mit Hochdruck an der Weiterentwicklung des Hybriden gearbeitet, an so genannten «Plug-ins». Diese werden demnächst dafür sorgen, dass die Autos im Nahverkehr praktisch keinen fossilen Treibstoff mehr verbrennen.
Alle stürzen sich auf diese neue Technologie: Mercedes hat den S400 Blue Hybrid angekündigt. GM will spätestens 2010 drei mit Lithium- Batterien ausgerüstete Modelle auf den Markt bringen, und bei Renault/Nissan hat Starmanager Carlos Ghosn die Marktführerschaft im Segment der Elektroautos zum wichtigsten Pfeiler seiner Strategie erklärt.
«Öl ist im Begriff, seine Defacto- Allmacht im Transportwesen zu verlieren», sagt der weltweit anerkannte Energieexperte Daniel Yergin in der «Financial Times». Rund 14 Prozent der Treibhausgase werden im Transport erzeugt.

Wenn sich der Elektroauto- Trend durchsetzen kann, ist eine wichtige Schlacht im Kampf gegen die Klimaerwärmung gewonnen. Das gilt aber nur, wenn die Autos mit ökologisch produziertem Strom betrieben werden. Stammt die elektrische Energie aus einem schmutzigen Kohlekraftwerk, ist alles für die Katz, und der Schaden grösser als der Nutzen.