Sonntagszeitung, 26. Oktober 2008
Subventionen in Oekologie
Publizist Philipp Löpfe über wirtschaftliche Staatshilfe
Eine volkswirtschaftliche Bilanz muss im Gleichgewicht sein: Sparen und Produktion müssen Investitionen und Konsum ausgleichen. In einer globalisierten Welt gilt dieses Prinzip auf globaler Ebene.
Bis vor kurzem hat diese Gleichung so ausgesehen: einerseits Länder mit Exportüberschüssen (China, Japan, Deutschland, die Ölländer sowie die Schweiz), andererseits Länder mit Importüberschüssen (USA, Australien, Grossbritannien und Spanien). 2007 haben die zehn grössten Exporteure gemäss IWF einen Überschuss von 1680 Milliarden Dollar erzielt. Den Löwenanteil davon haben die USA verzehrt, nämlich 44 Prozent.
Die Amerikaner sind wegen der Finanzkrise nun nicht mehr in der Lage, die Rolle des «Konsumenten in letzter Instanz» zu spielen. Die Gleichung geht nicht mehr auf, die Weltwirtschaft ist ausser Balance und hat ein gewaltiges Nachfrageproblem.
Der Chefökonom der «Financial Times», Martin Wolf, formuliert es so: «Das ist eine keynesianische Situation, die keynesianische Lösungen erfordert.» John Maynard Keynes hat in den Dreissigerjahren seine Nachfragetheorie aufgestellt und daraus abge-leitet, dass bei einem Kollaps der Nachfrage der Staat einspringen muss.
Diese These war erfolgreich und hat nach dem Zweiten Weltkrieg die Wirtschaftspolitik der Industrieländer dominiert. In den Siebzigerjahren geriet sie in Verruf; teilweise zu Recht, denn sie wurde überstrapaziert. Als Operation für den Notfall gedacht, wurde die keynesianische Therapie immer häufiger für harmlose Bobos angewendet.
Das hatte schlimme Nebenwirkungen, die Inflation geriet ausser Kontrolle. Jetzt haben wir wieder einen veritablen Notfall. Der Staat ist gefragt, aber wie?
Einfach Geld verteilen und damit den Konsum ankurbeln
ist heikel. Als Folge könnte etwa massenhaft in China produzierte Unterhaltungselektronik gekauft werden – nicht gerade das, was wir uns wünschen. Sinnvoll sind hingegen Investitionen in die Ökologie. Der Ölpreis ist um rund die Hälfte gefallen – schön für die Konsumenten, aber gefährlich für die Umwelt. Es besteht die Gefahr, dass die erfolgversprechenden Ansätze beim Energiesparen wieder zunichte gemacht werden.
Muss die Konjunktur angekurbelt werden, dann mit Subventionen für umweltschonende Produkte. Finanzkrisen und Konjunktureinbrüche sind schmerzhaft, aber sie gehen vorbei. Ein Kollaps der Umwelt dagegen nicht.
