Sonntagszeitung, 25. Januar 2009
Banken und Armeen
Jetzt wanken die Riesen unter den Banken wie die Citygroup oder die Bank of America
«Verstaatlicht die Banken» war, solange der Schweizer Mittelstand denken kann, ein Slogan, den vermummte Chaoten an unbewilligten Demonstrationen krakeelten oder ewig unbelehrbare Maoisten an Brückenpfeiler sprayten. Jetzt ist dieser Slogan plötzlich denkbar geworden.
Selbst der erzkapitalistische «Economist» schreibt in seiner jüngsten Ausgabe, die Verstaatlichung sei für «viele bevorstehende Fälle vielleicht nicht die schlechteste Option». Was ist hier los?
In den USA haben bereits mehr als 300 Finanzinstitute einen Teil ihrer Aktien bei der Regierung hinterlegt – als Sicherheit für einen Kredit aus dem 700-Milliarden-Dollar-Rettungsfonds. In Deutschland ist der Staat der wichtigste Aktionär bei der Commerzbank geworden. In Grossbritannien sind zwei der grössten Banken, die Royal Bank of Scotland und die Lloyds Banking Group, de facto in staatlicher Hand. In der Schweiz hat der Bund der UBS einen 6-Milliarden-Kredit gewährt und die Nationalbank die Verantwortung für den Giftmüll übernommen.
Ein neuer Banken-Tsunami hat jetzt die Finanzmärkte erreicht. Bereits im vergangenen Herbst sind die Investmentbanken an der Wallstreet umgefallen. Der nicht verhinderte Kollaps von Lehman Brothers hat ja schon beinahe zur Kernschmelze des internationalen Finanzsystems geführt. Jetzt wanken die Riesen unter den Geschäftsbanken: Institute wie die Citigroup und die Bank of America. Ein Zusammenbruch einer solchen Bank muss um jeden Preis verhindert werden, aber wie?
Zwei Möglichkeiten werden diskutiert: Im einen Fall werden die Banken vorübergehend verstaatlicht.
Schweden hat mit dieser Lösung vor Jahren gute Erfahrungen gemacht. Die schwedischen Verhältnisse der Neunzigerjahre lassen sich aber nicht so ohne weiteres auf die aktuellen Zustände in den USA oder in Europa übertragen. Die zweite Lösung ist eine sogenannte «bad bank». Der Staat übernimmt den Giftmüll der Banken und entsorgt ihn selber. Beide Lösungen sind sehr teuer. Der amerikanische Gründungsvater Thomas Jefferson vertrat die Meinung, Banken seien für die Freiheit gefährlicher als stehende Armeen. Nie hatte er mehr Recht als heute.
