Philipp Löpfe

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Sonntagszeitung, 08. Februar 2009

Die Untoten

«Wiedergeburt des Protek­tionismus? Die Symptome mehren sich – und sie sind gruslig»

Das Titelbild der jüngsten Ausgabe des «Economist» zeigt, wie die Hand eines Zombies, eines Untoten, sich aus einem Grab befreit. Das Blatt befasst sich aber nicht mit adoleszenten Fantasien, es geht um die Rückkehr des Nationalismus. Kommt es zu einer Wiedergeburt des Protektionismus? Die Symptome mehren sich – und sie sind gruslig. Das betrifft einmal nüchterne Zahlen, die täglich veröffentlicht werden, etwa ein Einbruch in der internationalen Flugfracht von über 20 Prozent im Dezember. Das betrifft aber noch stärker die Stimmung. In den USA ist eine Buy­American-Klausel im Sanierungspaket zwar etwas entschärft, aber nicht gestrichen worden. In Gross­britannien streiken Arbeiter erfolgreich für die Schliessung der Grenzen des Arbeitsmarktes, und was sich weltweit in der Autoindustrie anbahnt, hat nichts mehr mit freiem Handel zu tun.

Weder Linke noch Rechte finden Protektionismus gut. Professoren und Politiker warnen vor den Gefahren des ökonomischen Nationalismus und erinnern in den düstersten Tönen an die Grosse Depres­sion und Japan. Anscheinend vergeblich. An internationalen Konferenzen werden hoch­trabende Versprechen abge­geben, die schon auf dem Rückflug gebrochen werden.
  Im November erneuerten die Minister der G-20 ihren Schwur auf den Freihandel.
Tage später erhöhten Indien und Brasilien die Zölle. Warum auch nicht? Was den reichen Staaten recht ist, ist den Schwellenländern billig. Wer noch an einen erfolgreichen Abschluss der Doha-Runde glaubt, der glaubt auch an den Storch.

Wirtschaftlichen Nationalismus mit den Untoten der Gruselliteratur zu vergleichen, ist deshalb zutreffend. Beide folgen einer unerbittlichen Logik: Die Krise lässt die Nachfrage einbrechen, Konsumenten sparen, Unternehmen streichen Investitionen zusammen.
  Die Exporte schrumpfen, weil es sich um eine globale Krise handelt. Der Staat muss mit Steuergeldern in diese Lücke springen. Das bedeutet neue Schulden, die politisch nur verantwortet werden können mit dem Versprechen, jeden Rappen für die eigenen Bürgerinnen und Bürger zu verwenden. Die an­geschlagenen Banken werden verpflichtet, nationale Projekte vorrangig zu fördern. Eine gefährliche Spirale beginnt zu drehen. Die Zombie-Hand steigt aus dem Grab.