Philipp Löpfe

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Tages-Anzeiger, 25. Oktober 2009

«Stromversorger» und «Kasinos»

Paul Volcker ist der am meisten geachtete Banker der USA. In den Achtzigerjahren hat er mit einer eigentlichen Rosskur die Inflation besiegt und damit die Grundlage für das moderne Finanzsystem geschaffen.
Derzeit jedoch macht sich der 82-Jährige an der Wallstreet sehr unbeliebt. Denn Volcker verlangt, dass Geschäfts- und Investmentbanken wieder strikt getrennt werden.

Das Gleiche fordert Mervyn King, der Gouverneur der Bank of England. Er spricht von «Stromversorgern» und «Kasinos». Die «Stromversorger», will heissen die Geschäftsbanken, sollen die Wirtschaft möglichst zuverlässig mit Kapital beliefern. Dafür können sie im Notfall weiterhin auf Schutz des Staates zählen.

Umgekehrt müssen sie sich im Normalfall wie die Stromwerke mit einstelligen Gewinnmargen zufrieden geben. Die «Kasinos», will heissen die Investmentbanken, dürfen weiterhin beliebig hohe Gewinne erzielen. Dafür müssen sie mit den Launen des Markts leben und sterben. Eine implizite Staatsgarantie darf es für diese Banken nicht mehr geben, denn gerade deswegen sind sie zu mächtig und zu gefährlich geworden.

In Sachen Reformen der Banken wird jetzt die entscheidende Runde eingeläutet. Grundsätzlich haben sich die Staatschefs am G-20-Gipfel für dickere Eigenkapitaldecken und einfachere Konkursverfahren bei Banken ausgesprochen. Die entscheidende Frage, ob dies auch eine Auftrennung der Banken bedeutet, ist bisher aber noch nicht geklärt.

Auch in der Schweiz beherrscht diese Frage die Finanzgemeinde. Philipp Hildebrand, der designierte Präsident der Nationalbank, fordert zwar keine Trennung. Er will jedoch, dass die Banken so organisiert sind, dass es jederzeit möglich ist, den Investmentteil gefahrlos untergehen zu lassen.

Zu Recht: Die oberste Pflicht der Banken ist es nicht, den Gewinn zu maximieren, sondern der Öffentlichkeit zu dienen.