Philipp Löpfe

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Sonntagszeitung, 11. Januar 2009

Sorgen in Chimerika

In den letzten Jahren sind dank der Bank of China die Zinsen in den USA tief geblieben

«Willkommen in Chimerika», schreibt der Wirt­schaftshistoriker Niall Ferguson in seinem neuen Buch «Der Aufstieg des Geldes». Gemeint ist natürlich ein Zusammenschluss der USA und China.
Jeder vierte Weltbürger lebt in diesem imaginären Staat, ein Drittel aller Güter und Dienstleistungen wird dort produziert, und er ist für die Hälfte des Wachstums der Weltwirtschaft verantwortlich. Die beiden Partner haben sich jahrelang stillschweigend auf eine Arbeitsteilung geeinigt. Die Ost-Chimerika­ner haben gespart, und die West-Chimerikaner haben konsumiert. Profitiert haben beide und dazu die gesamte Weltwirtschaft. Doch jetzt mehren sich die Anzeichen, dass diese segensreiche Partnerschaft zu Ende geht.

Am vergangenen Dienstag hat der designierte US-Präsident Barack Obama angekündigt, dass die Staatsschulden der USA möglicherweise bald die magische Grenze von einer Billion Dollar (eine Million mal eine Million) überschreiten werden, und das auf Jahre hinaus. Das sind Dimensionen, die selbst die Sparwut der Chinesen übersteigen. Jetzt schon sta­peln sich in der Bank of China amerikanische Staats­anleihen und Obligationen der beiden Hypobanken Fannie Mae und Freddie Mac in der Höhe von gegen zwei Billionen Dollar. Deshalb melden Händler neuerdings, dass der chinesische Hunger nach Treasuries und Greenbacks spürbar nachlasse.

Wenn die Chinesen als Käufer der US-Staats­anleihen ausfallen, dann hat dies gravierende Auswirkungen auf die Wirtschaft von Ost- und West-Chimerika. In den letzten Jahren sind dank der Bank of China in den USA die Zinsen tief, und der Dollar ist stark geblieben. Jetzt besteht die Gefahr, dass die USA für ihre massiv zunehmenden Schulden auch noch höhere Zinsen bezahlen müssen. Doch auch die Chinesen leiden. Weil im Wal-Mart und in der Mall of America weniger konsumiert wird, stehen in Guangdong und Shenzhen immer häufiger die Räder still. Erstmals seit sieben Jahren meldet China einen Rückgang der Exporte um 2,2 Prozent.
Die Devisen werden jetzt zu Hause gebraucht.
Auch hat Peking ein Konjunkturankurbelungs­programm in der Höhe von 600 Milliarden Dollar angekündigt.